Schulungsmaterial · Funktechnik

Modulation und Kodierung in drahtlosen Netzwerken

Wie aus digitalen Bits ein Funksignal wird, warum Redundanz Fehler korrigiert und weshalb die höchste Datenrate nicht immer die beste Verbindung liefert.

1. Lernziele

  • Modulation und Kanalkodierung klar voneinander unterscheiden
  • Bit, Symbol, Träger, Symbolrate und Coderate erklären
  • BPSK, QPSK und QAM fachlich einordnen
  • den Zielkonflikt zwischen Datenrate und Robustheit verstehen
  • MCS, OFDM, OFDMA und Spatial Streams in der Praxis bewerten

2. Vom Bit zur Funkwelle

Digitale Daten bestehen aus 0 und 1. Eine elektromagnetische Welle besitzt dagegen physikalische Eigenschaften wie Amplitude, Frequenz und Phase. Der Sender muss die Bits daher in unterscheidbare Signalzustände übersetzen.

Nutzdaten→Kanalkodierung→Symbole→Modulation→Funkkanal→Dekodierung

Modulation

Bildet Bits beziehungsweise Symbole auf physikalische Signalzustände ab. Sie macht die Übertragung über Funk erst möglich.

Kanalkodierung

Ergänzt mathematische Redundanz. Der Empfänger kann damit Übertragungsfehler erkennen und teilweise korrigieren.

Kernunterschied: Modulation bestimmt, wie Information als Signal übertragen wird. Kanalkodierung bestimmt, wie robust die Bitfolge gegen Fehler geschützt wird.

3. Modulation: Information auf dem Träger

Modulation ist die gezielte Veränderung einer Trägerwelle. Eine idealisierte Sinusschwingung kann so beschrieben werden:

s(t) = A · cos(2πft + φ)

Amplitude A

Stärke beziehungsweise Auslenkung der Welle.

Frequenz f

Anzahl der Schwingungen pro Sekunde.

Phase φ

Zeitliche Lage einer Schwingung gegenüber einer Referenz.

Bit und Symbol

Ein Bit ist 0 oder 1. Ein Symbol ist ein übertragener Signalzustand und kann mehrere Bits repräsentieren. Bei M möglichen Zuständen gilt:

Bits pro Symbol = log₂(M)
VerfahrenZustände MBits pro SymbolGrundcharakter
BPSK21sehr robust
QPSK42robust
16-QAM164ausgewogen
64-QAM646hohe Datenrate
256-QAM2568sehr hohe Anforderungen
1024-QAM1.02410ausgezeichnete Bedingungen nötig
4096-QAM4.09612extrem geringe Fehlertoleranz

Symbolrate und Bitrate

Bitrate = Symbolrate · log₂(M)

Bei einer Million Symbolen pro Sekunde liefert 16-QAM theoretisch 4 Mbit/s, weil jedes Symbol vier Bits repräsentiert. QPSK liefert bei gleicher Symbolrate 2 Mbit/s.

Wichtig: Ein Symbol ist kein Bit. Eine höhere Modulationsordnung überträgt mehr Bits je Symbol, verringert aber den Abstand zwischen den Signalzuständen.

4. PSK, QAM und Konstellationsdiagramm

BPSK und QPSK

BPSK nutzt zwei Phasenzustände und überträgt ein Bit je Symbol. QPSK nutzt vier Phasenzustände und überträgt zwei Bits. Größere Abstände zwischen den Zuständen erhöhen die Robustheit.

QAM

Quadrature Amplitude Modulation verändert Amplitude und Phase gemeinsam. Dadurch entstehen viele unterscheidbare Zustände und eine hohe spektrale Effizienz.

I- und Q-Komponente

Ein QAM-Signal wird durch eine In-Phase-Komponente I und eine um 90° versetzte Quadratur-Komponente Q beschrieben. Jeder Punkt im Konstellationsdiagramm steht für eine bestimmte Bitfolge.

In realen Messungen entstehen Punktwolken um die Sollpositionen. Ursachen sind Rauschen, Interferenzen, Mehrwegeausbreitung, Phasenrauschen oder nichtlineare Verstärker. Die Error Vector Magnitude (EVM) beschreibt die Abweichung vom idealen Punkt: Je kleiner die EVM, desto sauberer das Signal.

Gray-Codierung

Benachbarte Konstellationspunkte werden meist so beschriftet, dass sie sich nur in einem Bit unterscheiden, zum Beispiel 00011110. Ein falsch erkannter Nachbarpunkt erzeugt dadurch möglichst nur einen Bitfehler. Gray-Codierung ist jedoch keine Fehlerkorrektur.

5. Kanalkodierung und Fehlerkorrektur

Ein Funkkanal ist niemals vollständig störungsfrei. Forward Error Correction (FEC) ergänzt deshalb berechnete Redundanzbits. Der Empfänger kann bestimmte Fehler korrigieren, ohne das Paket erneut anzufordern.

Coderate = Nutzbits ÷ insgesamt übertragene kodierte Bits
CoderateNutzdatenanteilRedundanzRobustheit
1/250 %hochhoch
2/366,7 %mittelmittel bis hoch
3/475 %geringergeringer
5/683,3 %sehr geringniedrig

Faltungscodes

Convolutional Codes erzeugen einen kontinuierlichen Strom aus Nutz- und Prüfbits. Ein Viterbi-Decoder bestimmt daraus die wahrscheinlichste ursprüngliche Bitfolge.

LDPC

Low-Density Parity-Check Codes nutzen Paritätsbeziehungen und iterative Dekodierung. Sie bieten eine leistungsfähige Fehlerkorrektur, können aber kein beliebig schlechtes Funksignal retten.

Nicht verwechseln: Kanalkodierung schützt vor Übertragungsfehlern. Verschlüsselung schützt die Vertraulichkeit. Zeichencodierung beschreibt beispielsweise die Darstellung von Textzeichen.

6. Zusammenspiel und MCS

Modulation legt die Anzahl kodierter Bits je Symbol fest. Die Coderate bestimmt, welcher Anteil davon Nutzinformation ist.

Nutzbitrate = Symbolrate · log₂(M) · Coderate
BeispielRechnungNutzbits pro Symbol
QPSK, Rate 1/22 · 1/21
64-QAM, Rate 3/46 · 3/44,5
256-QAM, Rate 5/68 · 5/6ca. 6,67

Modulation and Coding Scheme

Ein MCS kombiniert Modulationsverfahren und Coderate. Die tatsächliche PHY-Datenrate wird zusätzlich durch Kanalbandbreite, Guard Interval, OFDM-Parameter und Anzahl der Spatial Streams bestimmt.

Fachlicher Hinweis: Eine MCS-Nummer ist nur zusammen mit dem jeweiligen Funkstandard eindeutig interpretierbar. Die Nummer allein ist keine universelle Datenratenangabe.

7. OFDM und OFDMA

OFDM

Orthogonal Frequency Division Multiplexing teilt einen breiten Funkkanal in viele schmale, mathematisch orthogonale Unterträger. Diese werden einzeln beispielsweise mit QPSK oder QAM moduliert.

Guard Interval

Ein Schutzzeitraum reduziert Intersymbolinterferenz durch Laufzeitunterschiede. Ein längeres Intervall ist robuster, senkt aber die zeitliche Effizienz.

OFDMA

Gruppen von Unterträgern, sogenannte Resource Units, können verschiedenen Stationen zugewiesen werden. Das verbessert vor allem bei vielen kleinen Übertragungen die Airtime-Effizienz.

Abgrenzung: OFDM organisiert die Unterträger. QPSK oder QAM moduliert die einzelnen Unterträger. OFDMA erweitert dieses Prinzip um den Mehrfachzugriff mehrerer Stationen.

8. Bewertung in der Funkpraxis

Rate Adaptation

Endgeräte wählen das MCS dynamisch. Gute Bedingungen ermöglichen höhere QAM-Stufen, höhere Coderaten und gegebenenfalls kürzere Guard Intervals. Bei schlechteren Bedingungen wird zugunsten der Robustheit zurückgeschaltet.

RSSI

Beschreibt die empfangene Signalstärke, garantiert allein aber keine gute Verbindung.

Rauschpegel

Beschreibt unerwünschte Energie im betrachteten Empfangsbereich.

SNR

Abstand zwischen Nutzsignal und Rauschen: SNR = Signalpegel − Rauschpegel.

Beispiel: −60 dBm − (−95 dBm) = 35 dB SNR

Konkrete MCS-Grenzwerte sind nicht universell. Sie hängen unter anderem von Standard, Chipsatz, Kanalbandbreite, Empfänger, Interferenzen und gewünschter Paketfehlerrate ab.

MIMO und Spatial Streams

Mehrere Antennen können unter geeigneten Bedingungen mehrere räumlich getrennte Datenströme übertragen. Die Zahl der Antennen entspricht jedoch nicht automatisch der Zahl nutzbarer Spatial Streams.

Gesamtrate ≈ Datenrate je Stream · Anzahl der Spatial Streams

PHY-Rate ist nicht Nettodurchsatz

Von der Brutto-Datenrate gehen unter anderem Präambeln, Header, Bestätigungen, Interframe Spaces, Kontention, Verschlüsselungsinformationen und Wiederholungen ab.

VerbindungPHY-RateWiederholungenBewertung
Hohe MCS, instabil1.200 Mbit/s30 %hoher Airtime-Verlust möglich
Niedrigere MCS, stabil800 Mbit/s2 %kann höheren Nutzdurchsatz liefern
Praxisregel: Gesucht wird nicht die höchste nominelle PHY-Rate, sondern die höchste zuverlässig nutzbare Rate mit möglichst wenigen Wiederholungen.

9. Häufige Fehlannahmen

BehauptungFachliche Einordnung
„Mehr QAM bedeutet mehr Reichweite.“Falsch. Höhere QAM-Stufen benötigen bessere Signalqualität und werden typischerweise bei günstigen Bedingungen verwendet.
„Ein starkes Signal ist immer eine gute Verbindung.“Falsch. Interferenzen, Kollisionen und hohe Kanalauslastung können trotz hohen RSSI zu schlechter Leistung führen.
„OFDM ist eine Modulationsstufe wie 64-QAM.“Falsch. OFDM organisiert viele Unterträger; diese werden unter anderem mit QAM moduliert.
„Die höchste Linkrate ist immer am schnellsten.“Falsch. Viele Retries können den Nettodurchsatz einer hohen, instabilen Rate stark reduzieren.
„Kodierung und Verschlüsselung sind dasselbe.“Falsch. Kanalkodierung korrigiert Übertragungsfehler; Verschlüsselung schützt Daten vor unbefugtem Lesen.

Merksätze

  1. Modulation bildet Information auf physikalische Signalzustände ab.
  2. Ein Symbol kann mehrere Bits repräsentieren.
  3. Höhere Modulationsordnung erhöht Effizienz und Anforderungen zugleich.
  4. Kanalkodierung ergänzt Redundanz zur Fehlerkorrektur.
  5. MCS kombiniert Modulation und Coderate.
  6. OFDM verteilt Daten auf viele orthogonale Unterträger.
  7. OFDMA weist Unterträgergruppen verschiedenen Stationen zu.
  8. Die PHY-Rate ist ein Bruttowert und nicht der Anwendungsdurchsatz.